Alternatives Breitband für die Provinz
Vor wenigen Tagen ging die Breitband Roadshow 2006 zu Ende, die vom Verband
der deutschen Internetwirtschaft eco veranstaltet
wurde. Die Einladung
zu dieser Roadshow liest sich wie eine Meldung aus einer Parallelwelt:
„Deutschland fällt in der
Marktdurchdringung mit Breitbandzugängen zum Internet immer weiter im
internationalen Vergleich zurück und es besteht die Gefahr, dass Deutschland
informationstechnisch zu den eher rückständigen Ländern Europas absackt.“
An diesem etwas reißerischen Aufmacher ist jedoch etwas Wahres:
Während sich Telekom
und Co in den deutschen
Ballungszentren eine Wettbewerbsschlacht liefern, hört die flächendeckende
Breitbandversorgung schon kurz hinter den Toren der Telekom-Stadt Bonn auf,
ganz zu schweigen von ländlichen Gebieten in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern.
Dort liegt also ein ganzer Markt frei, der von den
Telekommunikationsunternehmen wohl auf lange Zeit nicht bedient wird, da zu
hohe Anfangsinvestitionen in die Netze und weitere Infrastruktur abschreckend
wirken. Allerdings hat mittlerweile auch die Politik erkannt, dass Internet zur
Grundversorgung der Bürger gehört. Darüber hinaus ist es eine Kernaufgabe
der Wirtschaftspolitik, für einen wirklichen
Wettbewerb innerhalb der verschiedenen Wirtschaftsbranchen zu sorgen. Die
Frage ist nun aber, wer die Grundversorgung in ländlichen Gebieten
gewährleistet und wer für einen größeren Wettbewerb auch in Großstädten sorgen
kann.
Mit der Breitband Roadshow stellte der eco nun verschiedene Alternativen zu
DSL vor, darunter Kabel, Satellit und Strom. Die Triple Play-Angebote der
Kabelunternehmen sind mittlerweile weithin bekannt und bieten eine
wirkliche Alternative zu DSL. Doch auch Kabel beschränkt sich weitgehend auf
Ballungszentren.
Bleiben also Satellit und Strom. Die Breitbandversorgung per
Satellit hat den Vorteil, dass es theoretisch wirklich überall dort möglich
ist, wo es eine Satellitenschüssel gibt. Das Problem hierbei ist jedoch,
ähnlich wie beim Kabel, der Rückkanal vom Haushalt oder Büro weg, der für das
Internet natürlich unabdingbar ist. Hier sind die Lösungen immer noch sehr
kostspielig und für den normalen Landbewohner kaum erschwinglich.
Und Strom? Ein Netz gibt es zumindest schon einmal in jedem noch so
entfernten Winkel Deutschlands. Schon vor einigen Jahren war sogenanntes
Broadband over Powerline (BPL) einmal in aller Munde und die großen deutschen
Stromkonzerne hatten
schon die Dollarzeichen in den Augen vor lauter Gewinnaussichten.
Doch nach kurzer Zeit ist diese Blase, wie so viele, geplatzt. Von den
Träumen ist außer einigen Projekten nicht mehr viel übrig geblieben und
Powerline Communications hat sich auf die Vernetzung in Haus oder Büro
zurückgezogen mit Anbietern wie Allnet, devolo, Netgear oder Elcon.
Seit diesem Jahr gibt es jedoch auch in Sachen BPL wieder Neues und zwar aus
Europa. Die sogenannte Open PLC European Research Alliance mit der etwas
eingängigeren Abkürzung OPERA
verabschiedete in diesem Jahr die erste Spezifikation für Breitbandzugang über
die Stromleitung. Diese Organisation wird von der EU unterstützt und zählt
neben den Universitäten von Karlsruhe und Dresden auch diverse europäische
Stromkonzerne zu ihren Mitgliedern. Der Standard bildet die Grundlage für eine
flächendeckende Einführung der Technologie und man darf gespannt sein, was sich
in diesem Bereich noch entwickelt.
Vielleicht war die harte Landung des ersten Versuchs ja auch ein heilsamer
Prozess, der nun einen etwas nüchterneren Blick auf dieses Thema zulässt. Wenn
zumindest die Anfangsprobleme, zum Beispiel in Sachen Störung
des Funks, gelöst werden und die Stromkonzerne das Potential dieser
Technologie wirklich zu nutzen beginnen, kann aus BPL ein wirklicher Konkurrent
zu DSL und Kabel entstehen.
Lars Basche
Beitrag erschien auch bei IT-Frontal – das Weblog der IT Professionals.
Aktualisiert am 17. August 2007
