Die meisten Klatschtanten sind Onkel

Kaffee_kopieKuno Nensel räumt in “Die Welt“ mit einem alten Kommunikationsvorurteil auf und sammelt Indizien dafür, dass Klatsch und Tratsch auch Männersache ist.

Neben Beobachtungen im Alltag – Gala-lesende Männer im Flugzeug, die als Alibi gerne mal die Wirtschaftswoche vor’s Magazin halten – verdichtet sich die Beweiskette bei einem Blick auf die Historie des Kaffeeklatschs.

Birgit Althans vom Institut für Allgemeine Pädagogik in Berlin setzt sich in ihrer Studie “Der Klatsch der Frauen und das Sprechen bei der Arbeit” ausführlich mit diesem Thema auseinander. Der Begriff “Klatsch” ist ursprünglich vom Geräusch des Wäsche-Ausschlagen abgeleitet. An öffentlichen Waschplätzen waren Frauen früher unter sich und konnten sich ungestört austauschen. Männer, die versuchten sich heimlich einzuschleichen, wurden rigoros vertrieben. Da Mann nicht gerne mit der Gewissheit lebt, gerade etwas Wichtiges zu versäumen, wurden die Frauengespräche kurzerhand als minder bedeutend abgetan. So erhielt der Begriff Klatsch seine abwertende Bedeutung.

Dabei stammt die Urform des Kaffeeklatsches in einem rein männlichen Metier. Nach dem Siegzug des Kaffees in Europa eröffneten im London des 17. Jahrhunderts eine Vielzahl von Kaffeehäusern, die damals reine Männertreffpunkte waren. Dort wurde nicht nur über Politik debattiert sondern auch ausgiebig über das Privatleben von Geschäftspartnern und Konkurrenten, persönliches und triviales getratscht.

Klatsch 2.0 – heute tratscht Mann per e-Mail

Weitere Beweise zur Entlarvung der Klatschonkel sammelte der Oxforder Psychologe Guy Fielding. Er untersuchte das e-Mail-Verhalten von Männern. Und siehe da: Männer schreiben in Mails weit seltener über ihre Arbeit, als Frauen. Statt dessen stehen häufiger sogenannte „weiche Themen“ – sprich Tratsch – im Mittelpunkt. Im schriftlichen Klatschen haben uns die Männer also schon abgehängt. Fieldings Kollegin Holly Horn fand in ihrer Studie mit Universitätsstudenten heraus, dass der männliche Teil des Akademikernachwuchses zudem deutlich mehr Spaß am Klatsch hat als der weibliche. Die Forschung hat der Tratscherei mittlerweile auch den Makel der Zeitverschwendung genommen, denn dieser Austausch hat viele soziale Aufgaben – von der Stressbewältigung bis zur Vermittlung ungeschriebener Normen innerhalb sozialer Systeme.

Das flächendeckendes Outing der männlichen Klatschtanten steht allerdings noch aus. Bis dahin verhindert ein Griff zur tarnenden Business-Zeitung das Schlimmst.

Wibke Sonderkamp

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Aktualisiert am 17. August 2007

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