media coffee – Von der Edelfeder zum Contentlieferanten?
Volles Haus beim gestrigen media coffee. Das Diskussionsthema “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel” lockte trotz Hitze rund 300 Journalisten, Pressesprecher und PR’ler ins Haus der Bayerischen Wirtschaft.
Moderiert von Christian Jakubetz diskutierten Podiumsgäste und Publikum Zusammenwachsen oder absolutistische Trennung von Online und Print, Edelfedern zwischen Schreibhemmung und Schreibzwang, fehlende wirtschaftliche Konzepte für Onlineangebote, Konflikte zwischen Qualität, Geschwindigkeit und Bezahlung, das Internet als Rettung oder Untergang der Printmedien und vieles mehr.
Auf dem Podium:
Petra Gessulat, Chefredakteurin COSMOPOLITAN und CELEBRITY
Christoph Hardt, Büroleiter München des Handelsblatt
Hans-Jürgen Jakobs, Chefredakteur sueddeutsche.de
Jürgen Marks, Stellvertretender Chefredakteur Augsburger Allgemeine
Julian Spies Redaktionsleiter tz und Merkur Online
„Online hapert es oft noch an Qualität – Bei dem Anspruch alles können zu müssen leidet das Handwerk“ Petra Gessulat findet es am wichtigsten, dass junge Journalisten erst einmal Schreiben lernen. Die Redaktionen bei der Cosmo arbeiten relativ unabhängig voneinander. Allerdings kann man das Hochglanzmagazin auch nicht mit Tageszeitungen und Bereich News vergleichen. 
„Online first und dann mehr über Print“ Julian Spies propagiert die Zusammenarbeit zwischen Online und Print bei Zeitungen. Außerdem sieht er im Internet die Chance, neue junge Leser auch an die Printausgaben von Medien heranzuführen.
„In Deutschland gibt es mehr Blogs als Blog-Leser“, ulkt Jürgen Marks. Er sieht die Entwicklung der Online-Medien der großen Verlage – bis auf wenige Ausahmen wie Spiegel.de – noch ganz am Anfang. Für die Zukunft prognostiziert er neue, integrierte Strukturen mit einer übergreifenden Chefredaktion. Reichweiten, findet er, können in Zkunft nur über beide Wege gemeinsam gesichert werden. Dabei sollten sich Online und Print ergänzen. “Nur Online ist wie eine Oper ohne zweiten Akt“
„Durch reine News kann man sich nicht differenzieren“ Hans-Jürgen Jakobs sieht sich von Konkurrez a la Google news und Co daher nicht bedroht. Er setzt darauf, dass sich die Qualitätsmarken über News & Kommentar, umfassenden Berichten und exklusiven Geschichten durchsetzen. „Leitmedien definieren sich über Leitjournalisten – wenn diese Edelfedern Richtung Online migrieren überträgt sich das auch auf das Internet“
“Das Zusammenwachsen von Online und Print erfordert Umdenken und neue Strukturen.”
Christoph Hardt liegt mit dem Onlineangebot des Handelsblatt gut im Rennen. Bei der HB-Chefredaktion gibt es seit kurzem auch einen Olnliner in höchsten Entscheidungsgremium für Themen und Strukturen. Dass Online Journalisten vielfach noch immer als Schreiber zwieter Wahl behandelt werden führt er auf fehlende Geschäftsmodelle für das Zusammenwachsen der dualen Medienauftritte zurück.
“Es muss noch einiges getan werden – bis dahin bleibt das Ganze ein Spagat.”
Weitere Details zur Diskussion gibt es bei news aktuell und dem mediacoffee-Blog.
Wibke Sonderkamp
Tags: media coffee, Medienentwicklung, Medienwandel, news aktuell, Onlinejournalismus, PrintmedienAktualisiert am 17. August 2007

Hallo Frau Sonderkamp,
die Diskussion der “Edelfedern” und “Content-Lieferanten” habe auch ich als höchst ammüsant empfunden. Ich war allerdings erstaunt, wie oft aus dem Munde der Journalisten der Begriff “Medienmarken” kam. Das Bestreben, Medien zu Marken zu machen, kannte ich vorher nur von Seiten der Verlagsmanager. Ich habe immer noch das Bild des Redakteurs vor Augen, der sich nur der Story und vielleicht noch dem Leser verpflichet fühlt, nicht den ökonomischen Zwängen seines Verlagshauses. Wie empfanden Sie das?
Besten Gruß
Verena Schlegel
Hallo Frau Schlegel,
tja, diesen Trend verfolge ich seit einiger Zeit. Meine Diplomarbeit ’99 beschäftigte sich schon mit der Entwicklung von Fernsehsendern zu Markenprodukten. Trotz trauriger Desillusion in Bezug auf die Objektive und unbestechliche Berichterstattung im Mediengeschäft denke ich aber, dass es noch immer Qualitätsjournalismus gibt. Die Leser müssen allerdings immer stärker selbst selektieren. Ich fand den Kommentar bezüglich Leitjournalisten daher sehr treffend.
Gruß – Wibke Sonderkamp
P.S. Entschuldigen Sie die späte Antwort – ich komme gerade erst aus Schottland zurück