Elchtest bestanden! Wenn das Image so gut ist, dass Web 2.0-Marketing nur als netter Nebeneffekt daherkommt
Millionen von Firmen versuchen heute mit viralem Marketing und Web 2.0-Kampagnen neue Kunden zu werben, ihr Image zu verbessern oder Marken aufzubauen.
Dabei kam es auch schon zu etlichen Skandalen bei denen gekaufte Blogs – fake blogs oder flogs – oder bezahlte Scheinkunden aufflogen – über Beispiele wie die Wal-Mart-Edelmann-Kampagne sind sogar ganze Abhandlungen wie “Anatomy of a Public Relations Disaster” veröffentlicht worden…
Ganz anders sieht das beim allseits bekannten schwedischen Möbelhaus aus. Neben überwiegend positiven Kommentaren in Blogs und Foren tauchen auch immer wieder Ideen in Netz auf, in denen IKEA-Möbel umgestaltet oder zweckentfremdet wurden – und das so kreativ, wie es ein bezahlter Wettbewerb wahrscheinlich nie erreicht hätte.
Konrad Lischka hat auf Spiegel-Online Blogs wie IKEA-Hacker und einzelne Bastel-Beispiele zusammengetragen: von einem mit Post-its zum Designerstück gemachten Deckenfluter, über Ingenieure und Hobby-Tüftler, die schlichte IKEA-Lampen und Couchtische zu High-Tech-Wunderwerken umbauen, dem Beweis, dass sich IKEA-Regalböden als preiswerter Balkonbelag oder Katzenbaum eignen, bis zu einer Engländerin, die sich aus einem IKEA-Duschvorhang ein wasserdichtes Kleid für das bekannt verregnete Glastonbury-Festival näht …
Auch wenn sich manch einer denken mag „Herr, lass diesen Elch an mir vorüber gehen!“, solchen Gratis-Kampagnen durch Kunden können die meisten Konzerne nur träumen.
Und was sagen die Schweden dazu? Eigentlich nix – es gibt hier und da mal Bedenken des Möbelhauses, dass hoffentlich die Sicherheit der Produkte durch die Umbauten nicht gefährdet wird. In Deutschland wendet man sich aus diesem Grund auch an Thomas Meyer, der eine deutsche Variante von IKEAhacker ins Leben gerufen hatte – allerdings immerhin ohne Abmahnung oder Anwaltsschreiben wie der Blogger berichtet. Eine Welle der Empörung zieht durch die Blogosphäre. “Wie vernagelt (oder in diesem Fall verschraubt) muss man im Hirn sein, um seinen Fans und Kunden den Austausch über die eigenen Produkte zu verbieten?”, kommentiert ConnectedMarketing. Mai-Mai Yap, die Betreiberin des original IKEA-Hacker hatte solche Probleme noch nie – ab und an schicke IKEA ihr eine Pressemitteilung.
International sieht man das Ganze offensichtlich mit schwedischer Gelassenheit und lässt die Fans mal machen.
Wibke Sonderkamp
Tags: Blog, IKEA, Internetmarketing, Onlinemarketing, Web 2.0 KampagneAktualisiert am 24. August 2007
