Telefonate mit dem Handy kostenlos?
Anfang der achtziger Jahre wurden Entscheidungen getroffen, die Microsoft und Apple auf die Siegertreppe der neuen Welt der Personal Computer brachten. Giganten, allen voran IBM und chancenreiche Unternehmen wie Digital Research oder Seattle Computer Products, die sich mit dem Verkauf ihrer innovativen Entwicklungen an die wenig bekannte Microsoft begnügten, verpassten einen schnell wachsenden Milliarden-Markt. Auch Apple verfiel dem Hochmut, der viele Supermächte der IT-Industrie, z.B. Wang und Digital Equipment, in die Dunkelheit des Vergessens gestoßen hat.
Apple hat überlebt, auch weil es die Konkurrenz so wollte und sogar Geld investierte. Wie in der IT-Welt gibt es auch im Musik-Entertainment zahlreiche Labels, die wie gehabt weitermachen – “same procedure as last year” – und voll motiviert den Zug in die Zukunft verpassen. Mit der Neudefinition des simplen MP3-Players, den Jung und Alt nur noch als iPod kennen, hat Apple die Welt des Musik-Entertainments neu erfunden und einen riesigen Markt geschaffen. Apple profitiert vom “make it different”.
Die fehlende Flexibilität der Großen ist gut für Newcomer und gibt immer wieder Chancen aufzusteigen und sich in der Hall of Fame zu verewigen. Seit den Achtzigern erleben wir immer wieder, wie sich neue Ideen und Verbesserungen existierender Angebote durchsetzen und die Welt verändern. Google, YouTube und viele andere sind Beispiele dieser Gesetzmäßigkeit.
In einem Gespräch mit der Financial Times Deutschland in Hamburg, meinte Benjamin Bejbaum, Gründer von Dailymotion, in Zukunft würden Telefonat mit dem Handy kostenlos sein. Handies, so glaubt er, sind das wichtigste Kommunikationsmedium der Zukunft, weil sie zum ständigen Begleiter und Allrounder für Lifestyle, Entertainment, Kommunikation, Social Networking, Information und viele andere Bereiche werden. Telefongebühren werden der Vergangenheit angehören. Die Präsenz und Erreichbarkeit von vielleicht einer Milliarde Menschen wird zum neuen Schauplatz künftiger Investitionsmodelle und das alte Denken in Telefontarifen wird der Vergangenheit angehören.
Das Gespräch mit Benjamin Bejbaum und der Financial Times Deutschland war vor 2 Jahren. Seine Zukunftsvision wurde zur Kenntnis genommen. Heute berichtet die Computerwoche von einer 35 Millionen Euro Investition und geplanten Integration von Internet mit Mobil-Telefonie bei Truphone. Die Burda Digital Ventures, die für Investitionen in digitale Zukunftsprojekte bekannt ist, steht als einer der Kapitalgeber dahinter. Skeptiker mögen sich wieder fragen wie gut diese Investition ist. Leute wie Morten Lund, der u.a. als Investor mit Skype kräftige Gewinne verbuchen konnte, hat diese Überlegung schon hinter sich. Er investierte schon vor Monaten in ein Unternehmen in der Schweiz, United Mobil, die weltweit als Mobilfunkdienstleister auftreten.
Das Telefonieren mit dem Handy wird in Zukunft vielleicht weniger einer Frage der Telefontarife als eine Frage der Erträglichkeit von Werbung sein.
Ralf Hartmann
Tags: Internet, Investment, mobiltelefonAktualisiert am 22. April 2008

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