Die Geister die wir riefen…
Ach, was war das schön, die Zeit ohne E-Mails. Einmal am Tag kam die Post und dann konnte man sich auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren. Als ich Mitte der 90er frisch in den Beruf startete, gab es kein World Wide Web, und Handys kosteten damals noch 10.000 D-Mark und hatten die Größe von „Prügeln“. Dann kam der Siegeszug der neuen Kommunikations-Technologien, und die Welt war plötzlich zum Greifen nah. Alles ging schneller und effizienter, dachten wir. Ende der 90er griff die SPAM-Plage um sich, und wir waren eigentlich nur noch damit beschäftigt unseren Posteingang zu säubern und neue Filter zu installieren. Die Unsitte immer jedem alles zu schicken – schließlich müssen die Kollegen auch informiert sein – und den Vorgesetzten möglichst bei jedem Schritt CC zu setzen, vervielfachte die Menge der E-Mails rasant. Jetzt kamen wir ins Schwitzen. Wer sollte das alles noch verarbeiten? Eine aktuelle Studie sagt, dass Manager mittlerweile 3,5 Jahre ihrer Lebenszeit damit verbringen, irrelevante E-Mails zu lesen und zu löschen! Was ist also aus dem erhofften Zeitgewinn geworden? Heute jagen weltweit zirka 36 Milliarden E-Mails täglich durch das Netz, Tendenz steigend. Und sie schreien förmlich nach Aufmerksamkeit. Der Chef, die Kunden, die Freunde, der Partner, alle wollen sofort eine Antwort. Noch schlimmer ist es mit SMS, BlackBerry oder Instant Messaging, wer nicht innerhalb von 5 Minuten antwortet, droht als vermisst zu gelten. Aber möglichst viele Daten zu sammeln ersetzt eigenes Denken nicht, nur wer ab und zu mal unerreichbar ist, hat genügend Energie für konzentrierte Gedankenarbeit und Kreativität. Nach dem Konzentrationsfaden reißt dann oft der Geduldsfaden. Also, E-Mail-Programm, BlackBerry und Handy häufiger mal abschalten, denn weniger ist oft mehr. -Probieren Sie es mal aus!
Angelika Beiersdorf
No tag for this post.Aktualisiert am 27. Oktober 2008

Mein Kunde sagte, “Isn’t wonderful?” und meinte das erste Email, das er an mich geschickt hatte. Damals hatten wir eine Modemverbindung und benutzten Lotus Email. Die Modem piepten, pfiffen und blinkten bald nur noch was das Zeug hält und wir freuten uns, wenn die Dinger überhaupt funktionierten. Heute ist das Verschicken von Emails viel zu einfach und jeder schickt jedem tonnen an Infos ohne großen Aufwand. Wehe dem, der bei vielen auf dem Verteiler steht. “It is not that wonderful after all”