Die Stimme aus dem Off – oder: die Schatten der Vergangenheit…
Es hat zugegebenermaßen ziemlich lange gedauert bis zu meinem Entschluss, mich nun doch bei Facebook anzumelden. Die täglich sprudelnde E-Mail Flut und meine Aktivitäten in anderen Social Media & Netzwerken waren als mentale Barriere eine Weile ziemlich wirkungsvoll…Die Neugier, wer mir auf Facebook alles begegnen würde, ließ meine Standfestigkeit schließlich in sich zusammenbröseln wie die Kekse vom letzten Weihnachtsfest. Noch viel weniger hatte ich allerdings damit gerechnet, wer mich alles finden würde! Einmal in den Fängen dieser internationalen virtuellen Krake – und die Schatten der Vergangenheit holten mich ein… Gleich die erste Mail kam von einem Australier, der zeitgleich mit mir an der Shanghaier East China Normal University (ECNU) studiert hatte: „Hey, Claudia, is that you with the many languages?” Meine Laune verbesserte sich schlagartig – der prägende Eindruck, den ich bei ihm hinterlassen hatte, hielt offenbar nach 20 Jahren immer noch an. Zwei Tage später die Mail von einem lang verschollenen russischen Freund von mir: „Endlich habe ich Dich wieder gefunden – lass uns telefonieren!” Es war wie die „Stimme aus dem Off” – ich hätte nicht mal gewusst auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.
Inzwischen stellt sich bei mir schon ein Gefühl ein, als säße ich auf meinem gemütlichen Sofa und blättere in alten Fotoalben, wenn ich mich bei Facebook einlogge. Meinen russischen Freund haben vermutlich eher die echten Bilder von unseren Uniparties zu seiner Recherche bei Facebook motiviert… Ich habe bislang in Köln, Berlin, Stuttgart, Shanghai, Moskau und München gelebt – und habe es immer wieder bedauert, nicht mit allen Menschen, die ich dort kennen gelernt habe, gleich intensiv Kontakt halten zu können. Netzwerke wie Facebook geben mir irgendwie die Illusion dass sie alle noch drin sind in meinem Leben. Und wer weiß was da noch so alles geht – ich denke da an ein virtuelles Studententreffen für die internationalen Alumni der ECNU, nur so unter uns…
Claudia Wittwer
Tags: Facebook, Social MediaAktualisiert am 15. Februar 2010

… während nun auch die letzte Kollegin an Bord ist, überlege ich schon eine Suchtgruppe zu gründen. Wenn man sieht, wer sich alles die Zeit nimmt ständig – auch von unterwegs – updates über sein momentanes Tun zu schicken … obwohl ich mich natürlich über Fotos von fehlenden S-Bahn-Sitzen in Berlin genauso freue, wie über den Wettervergleich mit der US-Westküste
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