E-Mail funktioniert nicht mehr
Wir erinnern uns: durch E-Mail sollte einmal alles besser werden. Mit dem neuen Kommunikationskanal war es möglich geworden, Personen mit relativ wenig Aufwand und innerhalb kurzer Zeit persönlich anzusprechen. Die Adressaten waren nicht mehr – wie beim Telefon – gezwungen, sofort zu reagieren. E-Mail vereinte quasi die positiven Eigenschaften von Brief, Fax und Telefon.
Geht der Weg nun wieder zurück? Zumindest ist das unser momentaner Eindruck bei der Kommunikation mit Journalisten. Die Redaktionen schrumpfen und so wird ein Journalist mittlerweile mit hunderten von E-Mails pro Tag bombardiert – vieles davon ist für ihn nicht relevant. Die Kehrseite der Medaille: Relevantes geht damit auch mal schnell unter. So ist eine Standard-Antwort, die wir momentan am Telefon bekommen: “Oh ja, klingt interessant. Haben Sie mir dazu eine E-Mail geschickt? Ja? Hab ich aber gar nicht gesehen, gut dass Sie anrufen.”
Ruft man allerdings zuerst an, heißt es meist: „Schicken Sie mir die Info doch erst mal per E-Mail.“
Ein Kollege meinte neulich ganz verzweifelt, vielleicht muss man parallel mailen und anrufen so nach dem Motto „Ich schicke Ihnen jetzt gerade eine Einladung zu dem Pressegespräch zu dem Sie unbedingt kommen wollten – rufe nur an, weil Sie die Mail sonst vermutlich nicht sehen“
Na super, Black List ich komme!
Super auch die Antwort: „Achso, Sie haben die mir an meine normale Mailadresse geschickt – das ist der öffentliche Ordner, da gucke ich so selten rein.“
Andererseits ist es natürlich auch tabu die private E-Mail der Redakteure zu benutzen, selbst wenn man diese hat.
Anrufen ist leider auch keine generelle Lösung, denn auch auf diesem Kanal werden die Journalisten so sehr bombardiert, dass sich viele ihre Anrufe gleich komplett von der Assistenz abfangen lassen, die dann den tollen Tipp hat: “Schicken Sie doch eine E-Mail“.
Der eine oder andere Redakteur ist mittlerweile am besten per Twitter, Facebook oder sonstige Communities zu erreichen, oder ploppt per Skype auf. Also zu jedem Kontakt einen Eintrag in der Datenbank, auf welchem Kanal er am besten zu erreichen ist und wie – wenn überhaupt – er seine E-Mails handhabt?
Vielleicht landen wir demnächst auch beim japanischen Modell, wo die PR-Berater jeweils persönlich beim Journalisten vorsprechen. Kein Wunder, dass die Agenturen dort mal gerne 200 Mitarbeiter haben.
In diesem Sinne – Sayonara! Ach ja: Konstruktive Hinweise sind sehr willkommen: Wie handhaben Sie Ihren Kontakt zu Journalisten?
Jessica Schmidt und Wibke Sonderkamp
No tag for this post.Aktualisiert am 26. April 2010
