Brief goes online
In der Medien-Branche wird heutzutage der schriftliche Austausch fast ausschließlich per Email durchgeführt. Es geht schnell, ist günstig und praktisch. Privat jedoch bin ich ein Fan des guten alten Briefes und der schönen bunten Urlaubskarten. Und dann stolpere ich über diese Schlagzeile: „Mit dem Onlinebrief startet Deutschlands traditionsreichster Offline-Konzern ins Internetzeitalter. Der Vorstoß soll den größten Gewinnbringer, die Briefsparte, retten“. So beginnt ein kluger Artikel in der Financial Times Deutschland, der zunächst fast wie ein Abgesang auf die wichtigste Sparte des einstigen Brief-Monopolisten Deutsche Post klingt. Persönlich würde ich es bedauern, in Zukunft vielleicht auf eine nette Geburtstagskarte oder einen Liebesbrief verzichten zu müssen – sei es als Absender oder als Empfänger. Aber der gelbe Post-Riese wird seine Pläne umsetzen und hat bereits mächtige Verbündete. Angesichts der bereits durch die zunehmende Anzahl an Emails sinkenden Erlöse der Briefpost und den sehr konkreten Plänen potenter Mitbewerber ein eigenes Onlineangebot zu entwickeln, bleiben der gelben Post allerdings auch wenig andere Alternativen. Lange Zeit war das Unternehmen nicht gerade durch Innovationsreichtum und Flexibilität aufgefallen. Doch seit einigen Jahren hat sich das Bild – nicht zuletzt dank vollautomatischer Packstationen, Handyporto oder iPhone Apps – etwas gewandelt. Bleibt zu hoffen, dass die gelbe Post ihre gut 500 Jahre andauernde Erfolgsgeschichte auch in Zukunft fortsetzen kann. Allerdings wäre es schön, wenn die persönliche Note und der zwischenmenschliche Kontakt dabei nicht ganz auf der Strecke blieben. Dafür stehe ich auch gerne mal am Postschalter an. Schließlich kann man noch nicht alles online erledigen.
Martin Uffmann
No tag for this post.Aktualisiert am 26. Mai 2010
