PR rund um den Globus: Kritische Fragen und niedrige “Marketing Bullshit-Toleranz“ in Deutschland (Teil 1)
Heute ist unsere internationale PR-Serie zu Gast in Deutschland wo uns PR-Beraterin Wibke Sonderkamp einen Überblick über aktuelle Trends und Entwicklungen in der deutschen Medienlandschaft und der PR-Arbeit gibt.
1. Welche aktuellen Trends oder Veränderungen in der PR sehen Sie in Deutschland
Wibke Sonderkamp: Die Entwicklungen in der PR sind heute so schnell, dass es gar nicht leicht ist, hier die “wichtigsten Trends” herauszugreifen. Ein sehr einflussreicher Faktor für die tägliche PR-Arbeit ist sicherlich die sich stark verändernde Medienlandschaft.
Die Veränderungen unterscheiden sich hierbei, je nach Markt, sehr stark. Bei den IT-Magazinen haben wir bereits seit längerem eine starke Bewegung in Richtung Online. Fast monatlich werden Printausgaben eingestellt. Das beeinflusst natürlich unsere Arbeit mit den Redaktionen, die mit häufig stark verkleinerten Redaktionsteams in kurzer Zeit viel aktuellen und relevanten Online Content erzeugen müssen. Wir müssen also sicherstellen, dass sie Informationen in einer Form erhalten, die sie sehr schnell und mit wenig Aufwand verarbeiten können. Auch die Reaktionszeiten – auf Agentur- und Kundenseite – müssen für die Zusammenarbeit mit Online-Publikationen (wie auch mit anderen tagesaktuellen Medien) sehr viel schneller sein, als beispielsweise mit Wochen- oder Monatsmagazinen.
Auf der anderen Seite entstehen zur Zeit viele spannende neue Märkte und Medien – sowohl mit Online als auch mit Printmedien. Das betrifft auch die CleanTech oder “grüne” Branche, die zu unseren Agentur-Schwerpunkten gehört.
Andere aktuelle Veränderungen betreffen natürlich auch die “neuen” Kommunikationskanäle, die sich sehr schnell weiterentwickeln und einen Sprung aus der „Early Adopter“-Ecke zum „Mainstream“ gemacht haben. Während wir als “Communication Geeks” schon seit Jahren bloggen und Social Media nutze,n wurde dies bei Kunden aus den technisch orientierten Märkten, die wir hauptsächlich betreuen, erst in letzter Zeit verstärkt ein Thema. Zudem gibt es im Bereich Social Media in der Unternehmenskommunikation auf Kundenseite noch sehr viele Fragen, Unsicherheiten und Aufklärungsbedarf.
2. Wie geht Ihre Agentur mit diesen Entwicklungen um?
Wibke Sonderkamp: Wir versuchen, die Bedürfnisse der verschiedenen Mediengruppen möglichst gut zu erfüllen und sie mit Informationen zu versorgen, die ihnen den redaktionellen Alltag erleichtern – das betrifft den Stil der Informationen genauso wie das Format und die Kommunikationskanäle. Dazu gehört auch zusätzliches Bild- oder Infomaterial, das wir als Download mit den Pressemeldungen oder über unsere digitalen Pressezentren zur Verfügung stellen. Letzteres bietet sich beispielsweise auch bei Events an, die Redakteure, aufgrund der Redaktionsgröße oder sinkende Reisekostenbudgets, nicht besuchen können. Über den Presseraum erhalten sie so trotzdem aktuelles Material – wie Zitate, Kommentare, News und Fotos – live von der Veranstaltung.
Im Bereich Social Media profitieren wir heute von unseren Erfahrungen als „Early Adopters“. So sind wir in der Lage, unsere Kunden bezüglich passender Möglichkeiten für Ihren Markt und ihre Zielgruppen zu beraten. Gerade im Bereich B2B ist Beratung zur Zeit äußerst gefragt und wichtig. Viele Firmen haben den Eindruck, dass sie unbedingt auf irgendeine Weise eine Social Media Initiative starten müssen und legen mit viel Schwung – aber ohne die Aktivitäten wirklich zu durchdenken – los, um dann festzustellen, dass der Einsatz nicht die gewünschten Reaktionen oder Resultate bewirkt hat, weil z.B. die Zielgruppe völlig verfehlt wurde. Aktuelle Studien belegen, dass deutsche (und europäische) Firmen enttäuscht von den Resultaten ihrer Social Media Kampagnen sind. Das zeigt den großen Beratungsbedarf, den es in diesem Bereich noch immer gibt.
3. Haben Sie ein aktuelles Beispiel von einem Projekt in diesem Bereich?
Wibke Sonderkamp: Der B2C Markt ist, was den Einsatz von Social Media betrifft, wesentlich weiter als der B2B Markt. Wir haben vor kurzem die Kampagne für einen neuen Soundrecorder des Elektronikriesen SANYO mit einer Social Media Kampagne unterstützt, die sich vor allem an angehende Musiker und Musikstudenten richtetet.
Wir initiierten dazu einen Wettbewerb zwischen deutschen und britischen Musikhochschulen, bei dem Studenten ihre eigenen Songs mit dem Recorder aufnehmen und diese dann auf eine Wettbewerbsseite hochladen konnten. Die Studenten konnten hierbei die verschiedenen Social Media Kanäle nutzen, um ihre Songs sowie den Wettbewerb zu promoten und Stimmen für ihren Song zu sammeln. Neben der viralen Kampagne der Studenten, unterstützten wir die Kampagne durch eine Kombination aus klassischen PR-Maßnahmen und regelmäßigen Tweets, Blogger Relations sowie Media-Kooperationen. Zudem stellten wir gemeinsam mit SANYO eine Facebook Page und Wettbewerbs Blogs zur Verfügung.
Unser Engagement in Märkten wie CleanTech ist weit mehr, als „nur“ PR für die Kunden. Über unser CleanEnergy Project bieten wir Unternehmen aus der Branche eine Plattform zum Networking, zur zuverlässigen Informationsbeschaffung und für interessante Events. Medien und Branchenorganisationen begrüßen diese Quelle für Informationen und Experten und arbeiten in vielen Bereichen – von Events, bis hin zum Austausch von Artikeln (mit Fachmedien) – mit uns zusammen.
Mit mehr als 30.000 Mitgliedern (Stand Dez. 2010) ist das CleanEnergy Project die größte deutschsprachige Community im Markt. Wer jetzt denkt, „das klingt wie eine richtig gute Idee, warum machen das nicht mehr Agenturen?“, sollte nicht den Arbeitsaufwand und die Investitionen unterschätzen, die nötig sind, um eine solche Community (mit Onlinemagazin, wöchentlichen Newslettern und regelmäßigen Events, etc.) aufzubauen.
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In Teil 2 des Interviews, am nächsten Donnerstag, geht es um kulturelle Eigenheiten und generelle Unterschiede bei der PR-Arbeit in Deutschland, wo Journalisten und Leser Zahlen und Fakten lieben, dafür bekannt sind, sehr direkt ihre Meinung zu sagen und wo (gute) PR-Berater darauf bestehen, Pressemitteilungen möglichst ohne Marketingphrasen zu schreiben.
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Wibke Sonderkamp ist Director PR Operations bei GlobalCom PR-Network in München und leitet das internationale Kompetenzteam IT & Technology des gleichnamigen weltweiten Agenturnetzwerks. Sie arbeitet seit über 10 Jahren in der PR und Unternehmenskommunikation und war zuvor als Journalistin tätig.
Seit 1990 unterstützt die GlobalCom PR-Network GmbH von München aus Unternehmen bei der Kommunikation und PR-Arbeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Über das gleichnamige internationale Agenturnetzwerk betreut GlobalCom außerdem internationale Accounts und Kampagnen. Die Agentur ist auf IT, Cleantech und weitere Technikthemen spezialisiert. Zudem ist GlobalCom Gründer und Träger des CleanEnergy Project, der größten deutschsprachigen Community für Themen rund um Cleantech, erneuerbare Energien und Umwelttechnik mit über 30.000 Mitgliedern (Stand Dez. 2010).
Tags: Blogger Relations, Deutschland, internationale PR, PR, PR ArbeitAktualisiert am 9. Dezember 2010


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