PR rund um den Globus: „Magersüchtige“ Redaktionen und bestechungsscheue Journalisten in Schweden (Teil 1)
In unserer internationalen PR-Serie gibt uns Jan Ståhlberg, PR-Experte aus Schweden, heute einen Einblick in aktuelle Trends und lokale Besonderheiten bei der Presse- und Kommunikationsarbeit im Land der Elche und IKEA.
1. Welche aktuellen Trends oder Veränderungen in der PR sehen Sie in Schweden?
Jan Ståhlberg: Die PR-Landschaft befindet sich mitten in einem starken Wandlungsprozess mit vielen neuen Medien, mit denen viele Unternehmen und Organisationen noch nicht richtig umgehen können. Der stärkste Trend ist natürlich der Einsatz von Social Media, wie Facebook, Twitter and YouTube. Allerdings ist Social Media kein eigenständiges PR-Tool, sondern wesentlich effizienter, wenn es in Kombination mit herkömmlicher PR verwendet wird. Viele Unternehmen und Organisationen suchen immer noch nach Richtlinien, wie sie sich im Social Media Bereich verhalten und wie sie ihn nutzen können.
Abgesehen davon zeichnen sich vier starke PR Trends ab:
1) Der Nutzwert von Pressemeldungen ist dramatisch gesunken, außer wenn sie mit gezieltem Nachfassen oder anderen Pitches verbunden werden.
2) Die Medien arbeiten immer stärker personenorientiert. Der Einsatz von charismatischen Sprechern und/oder Prominenten erhöht die Chancen, Botschaften zu vermitteln.
3) Die schwedischen Redaktionen leiden sozusagen an “Magersucht”. Immer weniger Journalisten (oder Zeitarbeitskräfte und Aushilfen) müssen immer mehr Bereiche abdecken und manchmal sogar auch noch in die Rolle des Fotografen und Grafikdesigners schlüpfen. Die Journalisten verbringen immer mehr Zeit damit, Daten im Internet zu recherchieren und diese gleich für Bereichte zu verwenden, als über andere Quellen zu suchen. Sie sind aber auch offener für Input von Unternehmen oder PR Agenturen geworden.
4) Die Grenzen zwischen PR Agenturen, Werbeagenturen und Web-Agenturen werden immer fließender.
2. Wie geht Ihre Agentur mit diesen Entwicklungen um?
Jan Ståhlberg: Wir empfehlen unseren Kunden eine klare Strategie für Social Media zu entwickeln und Ressourcen für den pro-aktiven und reaktivem Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen einzuplanen. Social Media-Maßnahmen sollte darüber hinaus mit klassischer PR kombiniert werden. Wir empfehlen außerdem den Einsatz eines Online-Newsrooms – möglichst mit Neuigkeiten, Hintergrundinformationen, Bildern, Videos, Veranstaltungskalendern, Kontaktdaten, Blogs, und Links zu Twitter, Facebook, YouTube usw. sowie Möglichkeit Updates per RSS Feeds o.ä. zu abonnieren.
Um im Medienrummel erfolgreich zu sein, ist es wichtig sich pro Journalisten jeweils auf ein Thema zu konzentrieren und dies, wo immer es möglich ist, personalisierte auf ihn zuzuschneiden. Wir setzen den Schwerpunkt mehr auf Story Pitching für bestimmte Journalisten, als auf Massenverteilung. Wir versuchen außerdem Branchenkenner bei unseren Kunden zu finden und diese als Experten zu positionieren. Unter den Stichwort „Domain Claim“ versuchen wir, unsere Kunden als Marktführer und -kenner sowie als Kontakte für Hintergrundwissen zu etablieren.
Die Tatsache, dass die Ressourcen der Journalisten sehr begrenzt sind, stellt eine Herausforderung aber gleichzeitig auch eine Chance dar. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, zu jeder Zeit Pitches und Hintergrundinformationen von höchster Qualität zu bieten. Außerdem ist es wichtig zu beachten, dass Fehler im Web noch lange präsent sind und man deswegen die gesamte Online Berichterstattung ständig überprüfen und wenn notwendig fehlerhafte Informationen korrigieren muss.
3.Haben Sie ein aktuelles Beispiel von einem Projekt in diesem Bereich?
Jan Ståhlberg: Einmal im Jahr vergeben unsere ISS Kunden den „Big Property Award“ an schwedische Studenten, die die bahnbrechendste Diplomarbeit zum Thema Vermögensverwaltung geschrieben haben. Wir haben den Award in enger Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt und haben als führende Kraft in der Weiterentwicklung der Feier fungiert. Auf der Award Verleihungsfeier, die von einigen 1000 Teilnehmern besucht wird verleihen die Geschäftsführer unserer Kunden auf der Bühne die Diplomen und Preise. Social Media und herkömmliche Media Relations werden kombiniert, indem wir exklusiv Interviews und weiträumig verteiltes News Pitching über Facebook und YouTube verbreiten. Weitere Informationen, leider nur auf Schwedisch, finden Sie hier: www.storapropertypriset.se
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Lesen Sie nächsten Donnerstag, in Teil 2 des Interviews, warum Sie skandinavische Journalisten nicht zu einem teuren Abendessen einladen sollten und warum selbst bekannte Marken wie IKEA bei der Pressearbeit nicht IKEA®, sondern schlicht Ikea schreiben sollten.
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Jan Ståhlberg: ist Teilhaber, Aufsichtsratvorsitzender, leitender Kommunikationsberater, Medienstratege und PR-Berater bei InformationsCompagniet. Jan hat einen Abschluss in Kommunikation und Erziehungswissenschaften der Universität Stockholm und arbeitet seit Mitte der 70er Jahre im Bereich Kommunikation.
InformationsCampagniet ist eine Agentur, die darauf spezialisiert ist, Firmen und Organisationen dabei zu helfen, langfristige Kommunikationsstrategien aufzubauen und diese über professionelle Kommunikations-Aktivitäten und Services umzusetzen.
Unser Ziel ist es, die Marke unserer Kunden zu stärken und zur Entwicklung, dem Wachstum und der einer Verbesserung ihrer Unternehmen beizutragen.
Zu unseren Kunden zählen sowohl schwedische als auch internationale Firmen und Organisationen. Durch unsere internationalen Partner im GlobalCom PR-Network arbeiten wir zudem sehr effektiv mit Public Relations und Kommunikations-Partnern außerhalb von Schweden. Unser Credo ist: Erfahrung, Qualität und Resultate.
Tags: lokale Besonderheiten, PR, PR Arbeit, Regionale Unterschiede in der PR, Schweden, Social Media Marketing, Social NetworksAktualisiert am 17. Februar 2011

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