Finnland 2013: PR-Sprints statt Langzeitstrategie und wachsender Bedarf an internationaler PR

Jukka_Finland

 

In unserer Serie zu Trends, die die - und Medienwelt im Jahr 2013 beeinflusst haben, werfen wir heute einen Blick in den Norden und Nordosten Europas – Jukka Laikari teilt seine Perspektive aus mit uns …

 

 

1.     Welchen Einfluss hatte die globale Rezession 2013 auf die Nachfrage nach PR Services in Finnland?

Die Art wie PR umgesetzt wird hat sich in Finnland dramatisch verändert. Das hat verschiedene Gründe, die Rezession ist nur einer davon. Die finnischen Leser haben sich 2012 und 2013 klar den digitalen Medien zugewandt. Demgegenüber haben die traditionellen Medien Probleme, und die Auflagenzahlen sinken. Die Mediennutzung der Verbraucher läuft einfach viel mehr über Tablets und Smartphones – und sie nutzen immer weniger Printmedien, das traditionelle Fernsehen und andere klassische Medien.

Die Veränderung der Lesegewohnheiten hat natürlich auch Einfluss auf die PR. So gibt es inzwischen neue Akteure im Markt, die ausschließlich auf digitale PR setzen. Demgegenüber gibt es natürlich auch noch traditionelle Anbieter im Markt, die der Meinung sind sie müssten nichts verändern. Und wieder andere kombinieren das Beste aus beiden Welten.

Das führt natürlich auch zu Veränderungen in den Beziehungen zwischen PR-Agentur und Kunden. So gibt es immer weniger Retainer und immer mehr PR-Projekte. Und das wiederum führt zu immer mehr kurzfristigen Aktionen anstelle einer langfristigen Strategie. Aber letztlich ist das wohl ein Trend den wir in vielen Bereichen der Wirtschaft beobachten können.

Auf der positiven Seite stellen wir fest, dass immer mehr neue Kunden den Wert einer guten PR-Arbeit erkennen. Das gilt zumindest für Unternehmen, die von einem erfahrenen Management gegründet oder finanziert werden, die über einen langjährigen unternehmerischen Hintergrund und entsprechende Erfahrungen verfügen. Was die digitale PR angeht, so können Unternehmen viele wirkungsvolle Maßnahmen selbst ergreifen.

russian-passportGanz offensichtlich gibt es auch einen wachsenden Bedarf an internationaler PR – insbesondere in Russland. Wir haben eine Präsentation mit Informationen und Tipps zum russischen Markt zusammengestellt: http://www.slideshare.net/5245274/how-to-attract-more-russian-clients-10-useful-marketing-tips-ifprfi-presentation.

Gerade für letzteres ist Finnland eine Art Labor, denn unter anderem haben wir über fünf Millionen Besucher aus Russland jährlich. Das sind immerhin 50 Prozent der Touristen, die Finnland besuchen. Russland zählt zu den wichtigsten wirtschaftlichen Partnerländern Finnlands und Hunderte finnischer Unternehmen sind in den letzten Jahren geschäftlich in Russland aktiv geworden – St.Petersburg mit seinen fünf Millionen Einwohnern ist nur vier Stunden von Downtown Helsinki entfernt.  

2.     Wie wurde Finnland 2013 in den Medien dargestellt?

Aus meiner Sicht hat Finnland in den letzten Jahren eine sehr gute Medienarbeit gemacht. Das sage ich natürlich umso lieber, da auch unsere Agentur hier in einige Projekte involviert war. So haben wir unter anderem erst kürzlich die Kommunikation zur Slush Tech Conference in den GUS-Märkten unterstützt.

Dabei haben einige Themen insgesamt eine größere Aufmerksamkeit erzielt als andere: Dazu gehören zum Beispiel die finnische Startup-Szene und die Gaming-Branche, in der unter anderem Angry Birds und Supercell erstaunlich erfolgreich waren. 

3. Welches andere Land stellt demgegenüber ein positives oder negatives Beispiel dar?

Es gibt eine ganze Reihe von Ländern und Regionen die eine hervorragende Kommunikationsarbeit geleistet haben. Ich bewundere zum Beispiel, wie Tirol dieses Thema angeht, insbesondere im Bereich Tourismus und beim Brand Managemenet. Auch in Schweden gibt es einige gute Beispiele für erfolgreiche regionale PR.

BTallinn1esonders aber möchte ich das Beispiel Estland hervorheben: dieses Land hat sich wirklich erfolgreich positioniert und viel Publicity gewonnen. Und das aus gutem Grund: Tallin ist wirklich der Technologiestandort Nummer 1 in Europa!

 

Jukka Laikari – GlobalCom PR Network Team IFPR Communications, Finnland

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Aktualisiert am 24. Oktober 2013

2 Kommentare

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  1. Kommentar von Klaus E. Jopp:

    Die Kurzzeitstrategie wird zur Langzeitstrategie, weil immer mehr Märkte sich in immer schnelleren Zyklen verändern oder verlagern. Globales Tempo gehen können, eine der Kernaufgaben der internationalen PR.

    24. Oktober 2013 @ 20:41
  2. Kommentar von Wibke Sonderkamp:

    Hallo Herr Jopp, ich stimme absolut zu: die heutige PR muss sehr flexibel auf die schnell wechselnden Anforderungen reagieren, was ein hohes Maß an Flexibilität verlangt, statt an Langzeitplänen festzuhalten. Trotzdem ist für viele Märkte eine fortlaufende PR-Arbeit nach wie vor das A und O statt mit kurzfristig mit Großprojekten aufzutauchen und dann für die nächsten sechs Monate zu verschwinden. Auf diesen Trend bezog sich der Kollege aus Finnland glaube ich. Viele Grüße – Wibke Sonderkamp

    4. November 2013 @ 14:57

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