28.April 2010

Only no news is bad news?

Diese Frage stelle ich mir ja gelegentlich bei der Lektüre von Klatschzeitschriften, wenn C-Promis mit erkauftem oder erheiratetem Adelstitel wieder mal zu tiefe Einblicke in ihre verkrachten Existenzen geben. Gerade scheint diese Aussage aber auch auf einen Fall der -Branche zuzutreffen: alle einschlägigen Online-Medien berichteten über den zweiten Anlauf von Helmut Hoffer von Ankershoffen (mmh, auch ein Adelstitel) und seinen Frontalangriff auf Apple mit dem “WePad”.

Wir erinnern uns: bei Launch-Versuch Nummer 1 hat der gute Herr von Ankershoffen aus PR-Sicht so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Er schaffte es zwar, die A-Riege der deutschen IT-Journalisten zur Pressekonferenz zu bekommen. Dort erhielten die Kollegen ein ausführliches Produkt-Briefing. Als es jedoch darum ging, ob man das WePad auch mal ausprobieren könne, durfte das Gerät keiner anfassen. Zu allem Übel gab das WePad dann auch noch eine Fehlermeldung von sich, die zeigte, dass auf dem Gadget nicht, wie vollmundig angekündigt, ein Linux-Derivat läuft, sondern Microsoft Windows.

Das verleitete Axel Postinett vom Handelsblatt, den WePad-Launch schon zum “PR-Flop des Jahres” auszurufen. Doch da hatte Herr Postinett die Rechnung ohne Herrn von Ankershoffen gemacht. Denn der zweite Anlauf gestern scheint geglückt und das WePad ist in aller Munde.

War der Pannenträchtige erste Produkt-Launch dann doch nur ein genialer PR-Schachzug, von dem andere Unternehmen lernen können? Denn eines hat Herr von Ankershoffen erreicht: sein WePad wird, trotz zahlreicher technischer Bugs, die immer noch bestehen, als Alternative zu Apples iPad diskutiert.

Qualitativ gute PR sieht aus meiner Sicht anders aus. Eines ist aber auf jeden Fall klar: Herr von Ankershoffen und sein WePad haben in Zeiten schrumpfender Redaktionen und Verlagskrisen erreicht, was vielen guten, und im Gegensatz zum WePad auch ausgereiften Produkten, verwährt bleibt – nämlich die gebührende Aufmerksamkeit in den Medien.

Jessica Schmidt

26.April 2010

E-Mail funktioniert nicht mehr

Wir erinnern uns: durch E-Mail sollte einmal alles besser werden. Mit dem neuen Kommunikationskanal war es möglich geworden, Personen mit relativ wenig Aufwand und innerhalb kurzer Zeit persönlich anzusprechen. Die Adressaten waren nicht mehr – wie beim Telefon – gezwungen, sofort zu reagieren. E-Mail vereinte quasi die positiven Eigenschaften von Brief, Fax und Telefon.

Geht der Weg nun wieder zurück? Zumindest ist das unser momentaner Eindruck bei der mit Journalisten. Die Redaktionen schrumpfen und so wird ein Journalist mittlerweile mit hunderten von E-Mails pro Tag bombardiert – vieles davon ist für ihn nicht relevant. Die Kehrseite der Medaille: Relevantes geht damit auch mal schnell unter. So ist eine Standard-Antwort, die wir momentan am Telefon bekommen: “Oh ja, klingt interessant. Haben Sie mir dazu eine E-Mail geschickt? Ja? Hab ich aber gar nicht gesehen, gut dass Sie anrufen.”

Ruft man allerdings zuerst an, heißt es meist: „Schicken Sie mir die Info doch erst mal per E-Mail.“

Ein Kollege meinte neulich ganz verzweifelt, vielleicht muss man parallel mailen und anrufen so nach dem Motto „Ich schicke Ihnen jetzt gerade eine Einladung zu dem Pressegespräch zu dem Sie unbedingt kommen wollten – rufe nur an, weil Sie die Mail sonst vermutlich nicht sehen“

Na super, Black List ich komme!

Super auch die Antwort: „Achso, Sie haben die mir an meine normale Mailadresse geschickt – das ist der öffentliche Ordner, da gucke ich so selten rein.“

Andererseits ist es natürlich auch tabu die private E-Mail der Redakteure zu benutzen, selbst wenn man diese hat.

Anrufen ist leider auch keine generelle Lösung, denn auch auf diesem Kanal werden die Journalisten so sehr bombardiert, dass sich viele ihre Anrufe gleich komplett von der Assistenz abfangen lassen, die dann den tollen Tipp hat: “Schicken Sie doch eine E-Mail“.

Der eine oder andere Redakteur ist mittlerweile am besten per Twitter, oder sonstige Communities zu erreichen, oder ploppt per Skype auf. Also zu jedem Kontakt einen Eintrag in der Datenbank, auf welchem Kanal er am besten zu erreichen ist und wie – wenn überhaupt – er seine E-Mails handhabt?

Vielleicht landen wir demnächst auch beim japanischen Modell, wo die PR-Berater jeweils persönlich beim Journalisten vorsprechen. Kein Wunder, dass die Agenturen dort mal gerne 200 Mitarbeiter haben.

In diesem Sinne – Sayonara! Ach ja: Konstruktive Hinweise sind sehr willkommen: Wie handhaben Sie Ihren Kontakt zu Journalisten?

Jessica Schmidt und Wibke Sonderkamp

23.April 2010

PR 2.0 – GlobalCom-Mitarbeiter unterwegs in der Blogosphäre

Heute berichten wir hier im Blog mal in eigener Sache: Jessica, die im Münchner Office unter anderem die Microstock-Agentur Shutterstock bei der Öffentlichkeitsarbeit berät, wurde von Robert Stögmann, dem Betreiber von blogger-antworten.com, über ihre Zusammenarbeit mit Bloggern interviewt. Robert befragt in seinem Blog andere Blogger über ihr Konzept und berichtet über Fragen rund um Blogs – und das mit wachsendem Erfolg.

Nach Einschätzung von Jessica und vieler Ihrer Kollegen werden Blogger für Unternehmen mehr und mehr zur gleichwertigen Meinungsbildnern neben Journalisten. Blogger sind in der Regel Experten auf einem Gebiet und manchmal besser informiert als ein Fachjournalist. Zudem lassen sich Informationsflüsse heute viel weniger kontrollieren oder steuern. Unternehmen müssen daher auch zu Bloggern Beziehungen aufbauen und pflegen.

Ein gutes Beispiel für eine erfolgreiche PR-Arbeit mit Bloggern ist Shutterstock: für die Microstock-Agentur pflegen wir zu Bloggern ebenso enge Bande wie zu Journalisten. Dazu bringen wir Blogger, gleichberechtigt mit Journalisten, ins Gespräch mit der Unternehmensführung. Fragen und Anliegen von Bloggern werden ebenso schnell und zuverlässig beantwortet wie Anliegen von Journalisten. “Ein Blogger erzählte mir mal am Telefon, dass das gar nicht selbstverständlich ist. Bei anderen Bildagenturen werden seine E-Mails – der bevorzugte Kommunikationskanal von Bloggern, mit manchen habe ich noch nie direkt gesprochen – nicht mal beantwortet. Anrufe bei der PR-Abteilung werden nicht durchgestellt”, berichtet Jessica. Es ist also an der Zeit, dass noch mehr Unternehmen das öffentliche Gewicht von Bloggern erkennen und damit umzugehen lernen.

Hier gibt es das ganze Interview.

Ralf Hartmann

22.April 2010

Grün Suchen mit Ecosia & Co.

Das Thema Green Computing wird immer mehr zum Trend in der -Branche. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach dem „Grünen Internet“.  Diesen Trend erkannte der Wittenberger Christian Kroll und entwickelte die Suchmaschine Forestle, die im August 2008 online ging. Die Werbeeinnahmen, die Forstle durch den Klick auf gesponsorte Links erzielt, gehen zu fast 90% an das „Adopt an Acre“ Programm, das sich den Schutz des Regenwaldes zum Ziel gesetzt hat. Durchschnittlich werden mit jeder Suche über Forestle 0,1m2 Regenwald geschützt. Die Suche bei Forestle, die anfangs noch über Google lief, erfolgt nun über Yahoo.

Seit Dezember 2009 ist nun auch der Nachfolger von Forestle online: Ecosia heißt die neue grüne Suchmaschine, die in Zusammenarbeit mit Yahoo, Bing und dem WWF, bei jeder Suche den Regenwald schützen soll. Ecosia spendet circa 80 Prozent des Umsatzes an den WWF. Pro Suche werden damit bei Ecosia 2m2 Regenwald geschützt. Ziel von Ecosia ist es, Regenwald auf einer Fläche so groß wie die Schweiz zu erhalten. Mehr zu Ecosia gibt’s auch auf dem CleanEnergy Project.

Expertenmeinungen zufolge hat jede Suchmaschine pro Suchanfrage einen CO2-Ausstoß von bis zu 7g. Nicht so Ecosia. Die Server die Ecosia betreiben laufen ausschließlich mit Ökostrom. Forestle hingegen setzt auf ein anderes Prinzip: Mit Hilfe von co2stats berechnet Forestle den kompletten CO2-Ausstoß, den die Server und Netzwerkinfrastruktur von Forestle, sowie der Computer der User produzieren und gleichen diesen CO2-Ausstoß durch den Kauf von Zertifikaten für Erneuerbare Energien wieder aus.

Auf dem gleichen Prinzip beruht auch die dritte Krollsche Suchmaschine Znout. Die Werbeeinnahmen von Znout werden zwar nicht zum Schutz des Regenwaldes eingesetzt, dafür wird der CO2-Ausstoß durch den Kauf von Zertifikaten ausgeglichen.

Eine super Idee das Ganze. Leider ist fraglich, ob solch kleinere Angebote genügend Fans beziehungsweise Anwender finden. Platzhirsch beim Thema Web-Suche ist nach wie vor  , die im letzten Jahr einen Umsatz von 24 Milliarden US-Dollar machten. Experten schätzen, dass 95% davon durch Werbeeinnahmen entstehen. Wäre es nicht toll wenn die grünen Such-Projekte   anregen würden einen Teil dieser Einnahmen an Projekte zum Schutz des Regenwaldes zu spenden? 

Stefanie Nunberger

08.April 2010

Googel als eierlegende Wollmilchsau im Büroalltag

“10 Simple Google Search Tricks” hatte die New York Times Technology-Rubrik letzthin zu bieten. Die meisten sind wohl bekannt, aber ein paar Funktionen waren mir neu und könnten im Büroalltag recht nützlich sein:

1. Use the “site:” operator to limit searches to a particular site. If I’m looking for WWD posts about GTD, for example, I could try this search: GTD site:webworkerdaily.com.

Das ist auf jeden Fall praktisch. Ich ärgere mich immer, wenn Sites – sogar einige Online Magazine – keine Suchfunktion bieten oder die Suche einfach grottenschlecht ist.

2. Use as a spelling aid.

Ja, das kennen wir Sprachakrobatiker …

3. Use Google as a calculator.

Laaaangweilig!

4. Find out what time is anywhere in the world. For example, try: time San Francisco

Das wusste ich gar nicht, super! Ich suche ständig vor Telefonkonferenzen irgendeine Zeitzonen-Website um ‘rauszufinden, ob Moskau jetzt auch schon Sommerzeit hat oder so…

5. Get quick currency conversions. E.g.: 100 pounds in dollars.

Könnte schneller sein als meine übliche Site anzuclicken, mal ausprobieren …

6. Use the OR operator. It can be particularly handy in conjunction with the “site:” operator. For example, you could try this search: GTD or “getting things done” site:webworkerdaily.com

OK, könnte nützlich sein, wenn man ein Thema recherchiert, aber nicht sicher ist, welche Keywords passen….

7. Exclude specific terms with the – operator. E.G. looking for information about American Idol but not Simon Cowell: “american idol” -cowell

Die Funktion mag ich. Bei online Clippingdiensten funktioniert das ja auch schon ganz gut …

8. Search for specific document types. E.g.: GTD filetype:ppt

Nutze ich selten, aber gut zu wissen …

9. Search within numerical ranges using the .. operator. E.g Olympic events in the 1950’s: Olympics 1950..1960

Auch nicht schlecht …

10. Area code lookup. Need to know where a phone number is located?

Na, ja gut –wer darauf nicht kommt … aber es musste wohl ein 10ter Tipp her …

Wibke Sonderkamp

01.April 2010

Besser als Bananenschalen

Bananenschale_Shutterstock Passend zum 1. April veröffentlicht die Computerwoche heute die 10 besten Büro-Scherze. Ganz weit vorn, wie der Internet-Explorer beim Kollegen einen System-Neustart initiieren kann oder wie man die Büro-Nachbarn mit einer Phantom-Maus verwirrt.

Die Neueinstellung von Google bei den lieben Kollegen – z.B. in Muppet-Schwedisch “Bork, bork, bork!” – erinnert mich an Studentenwohnheimzeiten. Dort war der TV-Text immer auf finnisch oder chinesisch verstellt.

Dabei fällt mir ein, dass eine Kollegin sich heute früh beschwert hat, dass der Edit-Button auf Ihrer Collaboration-Site verschwunden ist. Ein Aprilscherz von Microsoft?

Wibke Sonderkamp

29.März 2010

Der Berg und der Prophet – heute als: „der Event und der Journalist am Schreibtisch“

Immer mehr Journalisten erklären, dass sie zwar gerne an einer Messe oder einem Event teilgenommen und dort vor Ort mit Unternehmensvertretern gesprochen hätten, aber aufgrund von Zeitmangel und Reisebudget-Beschränkungen leider nicht vom ihrem Schreibtisch wegkommen.
Diese Erfahrung machen wir nicht nur in Deutschland, sondern auch die Kollegen aus anderen Ländern bestätigen diesen Trend. weiterlesen Der Berg und der Prophet – heute als: „der Event und der Journalist am Schreibtisch“

18.Februar 2010

Pay any „wurst“ by Credit Card and get a coffee for free

Dass viele unserer Landsmänner und –frauen unter dem Denglisch leiden ist weithin bekannt. Doch dass auch unsere europäischen Nachbarn darunter leiden ist den meisten neu. Was mich dabei erstaunt ist, dass diese nicht nur an der Verenglischung des Wortschatzes leiden, sondern auch an der Verdeutschung der Sprache. Eine kleine Internetrecherche zeigt die besten Ergebnisse für Iteutsch, Freutsch und Engeutsch:
Scheinbar als Rache für unser Denglisch haben wir unsere Sprache auch auf der Insel verbreitet. So kann man durchaus deutsche Wörter wie „to abseil“, „the angst“, „the autobahn“, „the wunderkind“  und „the bratwurst“ im Englischen hören. Bestes Beispiel für Letzteres ist die Londoner Kurz & Lang Bratwurst Company. Von der normalen deutschen Bratwurst über die Käsewurst, Krakauer und der Frankfurter bis hin zur beliebten Currywurst ist in dieser Imbissbude alles erhältlich. Sogar Brezen, Sauerkraut und dazu deutsches Bier werden Angeboten. Und da die Briten ja bekannt sind für ihre Höflichkeit, wünschen Sie auch „Guten Appetit“.
Besondere Angebote wie „Pay any „wurst“  with your American Express Card and get a coffee of your choice for free” sollen Kunden jeder Herkunft anlocken, um die “proud and perky Bratwursts” zu probieren.
„Kurz & Lang is literally fresh from Germany: delicious Bratwursts” aus dem Rheinland. Wer also mal eine echte Denglische Wurst probieren will, sollte sich auf den Weg ins Zentrum von London machen. Also: „Do Pop in to say hello and try the best „wursts“  in town.“

Weniger überraschend finde ich den Einfluss des Deutschen in die italienische Sprache. Jedes Jahr belagern Tausende von Deutschen eines der beliebtesten Urlaubsländer. Kein Wunder, dass dabei Wörter, wie „lo blitz“, „il poltergeist“, „la schadenfreude“, „il kindergarten“ und „kaputt“ hängen bleiben.

Was dafür umso mehr überrascht ist der Einfluss der deutschen Sprache in das Französische. Das Land, das sogar für Skateboard eine passende Übersetzung wie „la planche à roulettes“  bietet, übernimmt ausgerechnet vom „Lieblingsnachbarn“ schlechthin Wörter wie „le waldsterben“, „le doppelgänger“, „le zeitgeist“, „la zuckerwatte“ und „le rollmops“.

Stefanie Nunberger

11.Februar 2010

“Die Pärformenz liegt weit unter dem Bänschmark”

shutterstock_schnurtelefon.jpgDas Thema Unternehmens-Denglisch schein ein echter Dauerbrenner zu sein. – Logisch eigentlich, schließlich begegnen uns täglich die tollsten Blüten. Heute gab es dazu wieder einen sehr netten Beitrag – dieses mal von Winfried Gertz in der Computerwoche.

Neben dem Personalgesuch für einen „Front Office Assistant Manager im Face-to-face-“, sprich Verkäufer/in für die Käsetheke, berichtet Gertz von der Evolution des „Knotenrechner mittelschnell (KMS)“ und vielen Beispielen für denglisches Kauderwelsch mit dem Ziel Kompetenz zu demonstrieren.

Dabei nimmt er auch einige -Führungskräfte auf die Schippe, die uns in Kommentaren oder Videobeiträgen von Messen mit allerlei Wortakrobatik erfreuen. „”Wir bieten im Bereich Sophisticated Small Medium Business vertikale Lösungen an”.

„Fremdsprachlich dilettiert wird bis in höchste Management-Positionen“ resümiert der Autor und gibt Tipps, wie Unternehmen den Spagat zwischen Globalisierung und verständlicher Sprache besser angehen können.

„Da frohlockt die Bottem Line“

Wibke Sonderkamp

09.Februar 2010

Die Stimme aus dem Off – oder: die Schatten der Vergangenheit…

Kommunikation mit Freunden weltweitEs hat zugegebenermaßen ziemlich lange gedauert bis zu meinem Entschluss, mich nun doch bei Facebook anzumelden. Die täglich sprudelnde E-Mail Flut und meine Aktivitäten in anderen & Netzwerken waren als mentale Barriere eine Weile ziemlich wirkungsvoll…Die Neugier, wer mir auf alles begegnen würde, ließ meine Standfestigkeit schließlich in sich zusammenbröseln wie die Kekse vom letzten Weihnachtsfest. Noch viel weniger hatte ich allerdings damit gerechnet, wer mich alles finden würde! Einmal in den Fängen dieser internationalen virtuellen Krake – und die Schatten der Vergangenheit holten mich ein… Gleich die erste Mail kam von einem Australier, der zeitgleich mit mir an der Shanghaier East China Normal University (ECNU) studiert hatte: „Hey, Claudia, is that you with the many languages?” Meine Laune verbesserte sich schlagartig – der prägende Eindruck, den ich bei ihm hinterlassen hatte, hielt offenbar nach 20 Jahren immer noch an. Zwei Tage später die Mail von einem lang verschollenen russischen Freund von mir: „Endlich habe ich Dich wieder gefunden – lass uns telefonieren!” Es war wie die „Stimme aus dem Off” – ich hätte nicht mal gewusst auf welchem Kontinent er sich gerade befindet.

Inzwischen stellt sich bei mir schon ein Gefühl ein, als säße ich auf meinem gemütlichen Sofa und blättere in alten Fotoalben, wenn ich mich bei Facebook einlogge. Meinen russischen Freund haben vermutlich eher die echten Bilder von unseren Uniparties zu seiner Recherche bei Facebook motiviert… Ich habe bislang in Köln, Berlin, Stuttgart, Shanghai, Moskau und München gelebt – und habe es immer wieder bedauert, nicht mit allen Menschen, die ich dort kennen gelernt habe, gleich intensiv Kontakt halten zu können. Netzwerke wie Facebook geben mir irgendwie die Illusion dass sie alle noch drin sind in meinem Leben. Und wer weiß was da noch so alles geht – ich denke da an ein virtuelles Studententreffen für die internationalen Alumni der ECNU, nur so unter uns…

Claudia Wittwer

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