Die werbetreibende Industrie erwartet in der zweiten Internet-Welle eine zielgenauere Werbung und Ansprache ihrer Kunden als zu Beginn des Online-Zeitalters.
Nach Angaben der Medienforschungsfirma Nielsen Media Research haben die Werbeausgaben im Online-Bereich die Plakat-Werbung mittlerweile überholt. Von Januar bis Mai stiegen die Ausgaben auf ca. 331 Mill Euro – das sind rund 42% mehr als im Vorjahr und fast 20 Mio. mehr als für Plakat-Werbung.
„Einen Werbebanner wie ein Plakat ins Internet zu klatschen, kann nicht mehr die Lösung für die Kommunikation mit dem Kunden sein“, so der neue Vorsitzende der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM), Uwe Becker, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die Werbung des Web 2.0-Zeitalters soll für Internet-Nutzer von Interesse sein. Mit den Nutzungsdaten soll besser ermittelt werden, welcher User sich auch wirklich für bestimmte Produkte und Angebote interessiert und die Werbung so als nützliche Information sieht statt als störendes Beiwerk.
Zu Beginn der allgemeinen Internetnutzung vor etwa zehn Jahren habe die Industrie bereits gehofft, endlich in einem Medium das Nutzungsverhalten einfach nachvollziehen und Werbung zielgerichtet schalten zu können. „Wir mussten alle schnell feststellen, dass wir die Möglichkeiten im Internet zu rosig gesehen haben.“ Ein Ansatz für neue Werbeformen ist das Search Marketing: Anzeigen, die beim Eingeben von Suchwörtern bei Suchmaschinen aufspringen.
Zu Thema Missbrauch von Internet-Daten, die Verbraucher beim Surfen auf Suchmaschinen hinterlassen, erklärt der OWM-Chef: „Keiner kann es sich leisten, Kunden zu verunsichern oder ihnen das Gefühl zu geben, sie würden ausspioniert“, daher würden die Verbandsmitglieder „mit hoher Verantwortung“ an die Werbung im Netz herangehen und darauf achten, dass kein Datenmissbrauch geschehe.
Neben den Suchmaschinen haben auch web 2.0-Communites die zielgruppengenaue Werbung für sich entdeckt. Die Foren und Portale haben die nötigen Nutzerdaten, um ihre User mit Themen anzusprechen, die diese wirklich interessieren. Beteiligt sich ein User beispielsweise häufig an Diskussionen über Digitalfotografie, so ist er mit großer Wahrscheinlichkeit auch an Informationen über neue Kameras und Zubehör interessiert.
Die Meinungen darüber, ob Werbung grundsätzlich als lästig empfunden wird und sich die User lieber werbefrei in ihrer Community tummeln würden steht auf einem ganz anderen Blatt. Für die werbenden Unternehmen jedenfalls sind Web 2.0-Portale zunehmend attraktive Werbekanäle.
Wibke Sonderkamp