Als „Interculturalist“ interessiere mich besonders dafür, welchen Einfluss das Internet und nicht zuletzt Web 2.0 auf die Kultur hat. Der Begriff „Kultur“ ist nicht besonders leicht zu erklären, vor allem nicht im Rahmen eines Blog-Eintrags, aber beschränken wir uns hier auf den Bereich der Unterhaltung oder „Entertainment“.
Mit der neuen Technologie sind viel mehr Leute in der Lage, selbst etwas im Web zu veröffentlichen, seien es Bilder, Filme, Geschichten, Artikel, und somit zu unserem Entertainment beizutragen. Und da viele Webseiten, die kreative Plattformen anbieten (z.B. Spymac und Youtube), international agieren, muss man sich fragen, ob wir heutzutage lieber von einer Weltkultur reden sollten, zumindest was unsere Unterhaltung angeht. Schauen deutsche Teenager heutzutage die gleichen Inhalte wie die in China oder Japan? Bestehen noch interkulturelle Unterschiede? Werden sie noch in 20 oder 50 Jahren bestehen?
Für all diejenigen, die sich nach den guten alten Zeiten sehnen, als Kulturen stark voneinander getrennt waren, kann ich bestätigen, dass diese Unterschiede immer noch zu finden sind, sogar im Rahmen des Web 2.0.
Mein Lieblingsbeispiel hierfür ist die Webseite Newsbiscuit. Im September 2006 gegründet mit dem Ziel, “to create a new outlet for British humour on the internet”, veröffentlicht diese Webseite jeden Tag einen satirischen Artikel auf eine ganz britische Art, und jeder hat die Möglichkeit einen solchen Artikel abzugeben, und zwar in der Hoffnung, dass er veröffentlicht wird.
Ich habe deutsche Freunde, die fließend Englisch können und lange Zeit in England waren, auf diese Webseite hingewiesen, aber sie finden die Artikel selten lustig. Der Grund? Der Verfasser geht von einem bestimmten Wissen der Leserschaft aus, das sich auf sogenannte „kulturelle Artefakte“ wie Geschichten, Lieder, Institutionen und nicht zuletzt Feinheiten der englischen Sprache und die britischen Vorliebe für „Puns“ bezieht.
Somit überlebt zumindest ein Teil einer Kultur. Ich bin davon überzeugt, dass auch viele deutsche (und nicht zuletzt bayerische) Webseiten im Netz zu finden sind, die die Feinheiten dieser Kulturen aufzeigen, und für Ausländer (bzw. Zuagroaste) so wie mich unverständlich sind. Ich bin auf Ihre Beispiele gespannt!
James Patching